Der Bär und die zwei Burschen


Der Bär und die zwei Burschen
© Niko Korte / PIXELIO

Zwei Burschen kamen einst aus Not
Zum Kürschner, ihm das Fell zu bringen
'nes Bären, der zwar noch nicht tot,
Doch den sie, sagten sie, ganz sicher nächstens fingen.
Sie waren überzeugt, es sei ein Königsbär;
Der Kürschner, der dies Fell erwerbe, könne lachen:
Warm hielt's, und wenn die Kalt auch noch so grimmig war;
Auch sei nicht ein Pelz nur, nein, zwei daraus zu machen.
So kostbar wäre nichts, meinten sie, als ihr Bär -
»Ihr Bär!« - Doch anders stand es in des Schicksals Buche -
Sie brächten, meinten sie, ihn spätstens morgen her.
Sie machen fest den Preis, sie gehen auf die Suche,
Sie finden ihn. Der Bär trabt auf sie los sofort -
Hei! wie vom Blitz gerührt die zwei dastehn und beben!
Futsch war der Kauf; jetzt galt's ihn schleunigst aufzugeben,
Und von der Bärenjagd sprach keiner mehr ein Wort,
per klimmt auf einen Baum in allerschnellster Eile,
Jener, starr wie 'ne Marmorsäule,
Wirft hin sich, stellt sich tot und hält den Atem an,
Da ihm bekannt vom Hörensagen,
Es scheu der Bär sich dann und wann,
An tote Körper sich, die regungslos, zu wagen.
Herr Braun, der Bär, der Tor, fällt wirklich drauf herein:
Er sieht ihn liegen und hält ihn für eine Leiche;
Aus Furcht vor einem schlimmen Streiche
Dreht er ihn um und um und legt die Schnauze ein,
Ob Atem noch in ihm zu finden.
Er spricht: »Ein Leichnam ist's; drum fort jetzt, denn er riecht!« •
Mit diesen Worten sieht man ihn im Wald verschwinden.
Der eine von dem Paar, der nun vom Baume kriecht,
Eilt zu dem ändern hin und wundert sich darüber,
Wie einen nur die Furcht doch übermannt so schnell! ;
»Mag sein!« - so fuhr er fort - »Und unser Bärenfell?
Was sagt' er dir ins Ohr, mein Lieber? ,
Denn sehr nah kam er dir, als er
Dich mit der Klaue faßt' am Kragen.« —
»Er sprach: Verkaufe nimmermehr
Des Bären Fell, eh du ihn selber totgeschlagen.«



Der Bär und die zwei Burschen
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