Der Frosch und die Ratte


Der Frosch und die Ratte
© Kladu / PIXELIO

So mancher - sagt Merlin - gräbt anderen ein Grab,
Das schließlich für ihn selbst gegraben.
Dies Wort - vielleicht fällt's heut, als längst veraltet, ab -
Schien mir zu jeder Zeit gar tiefen Sinn zu haben.
Allein zur Sache jetzt! - 'ne Ratte, wohlbeleibt
Und gut genährt, für die nur Aberglaube bleibt
Advent und Fasten, saß, die Geister zu erlaben,
Munter und guter Ding an eines Moores Rand.
Redet ein Frosch sie an in seiner Sprach und Sitte:
»Besuch mich doch einmal, gar leckern Schmaus findst du.« -
Frau Ratte sagt höchst gnädig zu
Gleich auf der Stell und spart ihm jede weitre Bitte.
Doch fugt zum Überfluß den Hinweis er hinzu,
Wie wonnig so ein Bad, wie angenehm das Reisen,
Wieviel Merkwürdiges das Moor hab aufzuweisen;
Noch preisen würde sie Kindern, ja Enkeln auch
Der Gegend Schönheit wie des Volkes Sitt und Brauch
Und die Regierung und den Rat und Magistrat des Wasserstaates.
Nur eins ist, was das Ding schwierig erscheinen läßt:
Ein wenig schwimmt sie wohl, doch braucht dabei sie Hilfe.
Der Frosch weiß guten Rat: mit einem Halm vom Schilfe
Bindet der Ratte Fuß an seinen Fuß er fest.
Doch auf dem Moor kaum angekommen,
Hat gleich der brave Wirt den Gast sich vorgenommen
Und zieht ihn mit Gewalt hinunter nach dem Grund;
Gegen das Völkerrecht und Gastrecht aller Zeiten
Ein fettes Jägermahl von ihm sich zu bereiten
Meint er, das wäre recht so was für seinen Mund!
Schon knackt im Geist er sie mit seinen scharfen Zähnen.
Sie ruft die Götter an, er spottet ihrer Tränen;
Sie widersteht, er zieht. Indes der Kampf so stund,
Erspäht ein Weih, der hoch in Lüften kreist, die Arme,
Die unten tief im Sumpfsich wehrt, daß Gott erbarme.
Er schießt hinab, und auf in seinen Luftbereich
Hebt er Ratt und Frosch zugleich.
So gelungen war der Streich,
Daß ob dieser Doppelbeute
Herzlich sich der Vogel freute;
Hat er doch auf einmal frisch
So zum Schmause Fleisch und Fisch.
Netze, noch so fein gesponnen,
Fangen den oft, der sie spann;
Untreu, noch so fein ersonnen,
Schlägt gar oft den eignen Mann.



Der Frosch und die Ratte
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