Der Hahn und der Fuchs


Der Hahn und der Fuchs
© Anita Mertz / PIXELIO

Auf einem Aste saß, die Hühner zu bewachen,
Ein alter, sehr gewitzter Hahn.
»Brüderchen« — sprach der Fuchs, mit Sanftmut angetan —
»Laß heut uns endlich Frieden machen,
Kein Streit sei zwischen uns fortan!
Ich bring die Botschaft dir. Komm runter, laß dich küssen,
Doch, bitte, schnell; denn du mußt wissen,
An zwanzig Meldungen hab ich heut noch zu tun.
Ihr Hühnervolk könnt sorglos nun
Nachgehen wieder den Geschäften;
Wollt ihr's, wir helfen euch nach Kräften.
So soll es sein von heute ab;
Du aber komm jetzt schnell herab,
Daß wir den Bruderkuß uns geben.« —
»Freund« — sagte drauf der Hahn — »mit größerem Genuß
Hab eine Botschaft ich noch nie gehört im Leben
Als eben
Den Friedensschluß;
Und daß sie grad aus deinem Munde
Mir kommt, freut doppelt mich. Wie eben ich erblickt,
Nahn, auch als Boten abgeschickt
Zu gleichem Zwecke, dort zwei Hunde,
Windspiele sind's — wart nur, sie sind gleich hier am Ort,
Ich komm herunter, und wir küssen uns sofort.« —
»So?« — sprach der Fuchs — »Leb wohl! Noch weiten Weg zu
machen
Hab ich. Auf Wiedersehn! Und, Freund, von unsern Sachen
Ein andermal!« — Und, hast du nicht gesehn,
Reißt aus der Strolch - er möcht vergehn
Vor Wut, daß seine List mißlungen
Mit unsrem Hahn, dem alten Jungen.
Der aber lachte höchst vergnügt:
's macht doppelt Spaß, wenn den Betrüger man betrügt.



Der Hahn und der Fuchs
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