Der irdene und der eiserne Topf


Der irdene und der eiserne Topf
© by-sassi / PIXELIO

Eisentopf lud einstmals ein
Den von Ton zu einer Reise.
Dieser ging darauf nicht ein,
Denn er meint, es wäre weise,
Blieb er auf dem Herd zu Haus;
Hielt' er doch so wenig aus,
Daß selbst von dem kleinsten Dinge
Er gar leicht in Stücke ginge
Und als Scherbe kam zurück.
»Du« — sagt er — »du hast das Glück:
Du trägst eine Haut von Eisen,
Fest und hart; du hast gut reisen!« —
»Nun, wir nehmen dich in Schutz!« —
Spricht der Eisentopf voll Trutz —
»Sollt zufällig etwas Hartes
Dich bedrohn — mit Ruh erwart es —
Dann stell ich mich zwischen euch
Und errette dich sogleich.« -
Dieser Antrag schien ihm lockend;
Eisentopf zur Seit ihm hockend,
Gingen nun im Hinkepaß
Unsre Wanderer fürbaß.
Aber humpelnd auf drei Beinchen,
Rempelten ohn Unterlaß
Beide sich beim kleinsten Steinchen.
Dem irdnen Topf ging's schlimm: kaum hundert Schritt weit trug
Der Fuß ihn, als ihn schon sein Freund in Scherben schlug,
Und er dürft sich nicht beklagen.
Geselle jeder sich zu seinesgleichen bloß;
Sonst läuft er Gefahr, zu tragen
Jenes Topfes traurig Los.



Der irdene und der eiserne Topf
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