Die Grille und die Ameise


Die Grille und die Ameise
© Thomas Max Müller / PIXELIO

Grillchen, das den Sommer lang
Zirpt' und sang,
Litt, da nun der Winter droht',
Harte Zeit und bittre Not: Nicht das
kleinste Würmchen nur,
Und von Fliegen keine Spur!
Und vor Hunger weinend leise
Schlich's zur Nachbarin Ameise;
Fleht' sie an, in ihrer Not
Ihr zu leihn ein Körnlein Brot,
Bis der Sommer wiederkehre.
»Glaub mir« — sprach's — »auf Grillen-Ehre,
Vor dem Erntemond noch zahl
Zins ich dir und Kapital.« -
Ämschen, die, wie manche lieben
Leute, das Verleihen haßt,
Fragt die Borgerin: »Was hast
Du im Sommer denn getrieben?« —
»Tag und Nacht hab ich ergetzt
Durch mein Singen alle Leut.« -
»Durch dein Singen? - Sehr erfreut!
Weißt du was? Dann — tanze jetzt!«



Die Grille und die Ameise
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